Vintage

Unter dem Begriff »Vintage« drückt sich eine Wertschätzung gegenüber dem Alten aus, schließlich werden hiermit im Englischen Lesen hochwertiger Weine bezeichnet. Und selbst der im Deutschen flapsig benannte »Oldtimer« ist in der englischsprachigen Welt ein »vintage car«. In der Welt der Einrichtungen tauchte in den Achtziger Jahren erstmals gehäuft dieser Begriff auf, vor allem wenn es sich um Designklassiker aus dem Bauhaus oder Mid-Century Design handelt. Denn wer wollte die Moderne als Antik bezeichnen? Das blieb den alten Möbeln und Accessoires der Gründerzeit und früher vorbehalten.

Altmodisch?
Selbstverständlich war in den Siebziger und Achtziger Jahren das heute angesagte Mid-Century Design bzw. Nierentisch und Co. altmodisch. Schließlich war dies der Stil der Eltern bzw. später der Großeltern. und wer will in seiner hippen Jugend sich mit Großmütterchens Sachen beschäftigen? Somit wurde aus dem wertvollen Vintage ein Auslaufmodell, frühere Designklassiker der Fünfziger und Sechziger Jahre in der Produktion gleich eingestellt. Erst mit der Jahrtausendwende wachsen die Begehrlichkeiten auf diese Epoche und das wahre Vintage wird rar auf Antik- und Flohmärkten. Das Aufleben und Neuproduzieren der Designklassiker führt zu dem – ebenfalls gerne abfällig verwendeten – Retrodesign.

Während alte Möbel, Leuchten und Accessoires in ansprechender Form und Design immer seltener werden, Retrodesign zu neu erscheint, kommt der Vintage-Effekt ins Spiel: Warum auf makellose Neuware setzen, wenn abgenutzte Jeans in der Mode en vogue sind? So kommt der altbekannte Perserteppich mit abgenutzten Stellen, das Ledersofa mit gekonnt gesetzten Abrieb, die Leuchten mit Patina. Denn nicht jeder kann einen professionellen Wohnenden anstellen, damit wie die Bücher einer neuen Bibliothek die eingerichteten Räume bewohnt bzw. belebt und nicht wie direkt aus dem Katalog gekauft ausschauen.