Skandinavisches Design

Warum sind die Skandinavier so gut im modernen Design? Und warum verbreitet sich dieser puristische Einrichtungsstil über die gesamte Welt? Und das seit Jahren erfolgreich?

Skandinavien umfasst die nördlichen Staaten Europas – Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Island. Weite Landschaften mit geringer Bevölkerungsdichte, die in ihrer langen Geschichte stets mit dem rauen Klima der nördlichen Hemisphäre zu kämpfen haben. Aufgrund des langen Winters, der unbarmherzigen Kälte beschäftigen sich Skandinavier gründlicher mit ihrem Heim als Südeuropäer, die fast zwei Drittel des Jahres ihr Zuhause ins warme Freie verlegen. Anders gesagt, skandinavisches Leben spielt sich vorwiegend im Haus ab.

Skandinavisches Design begründet seine Wurzeln in Zeiten der Industrialisierung, in der späteren Hälfte des 19. Jahrhunderts, zeitgleich mit der prominenten »Arts and Craft« Bewegung im viktorianisch geprägten Großbritannien. Skandinavisches Handwerk lebt auf, fußt seine Gestaltung der Designermöbel auf die Nutzung der natürlichen Ressourcen, ohne sich in unnützen Zierrat zu verlieren. Qualität steht vorrangig vor billiger und schneller Herstellung. So verliert das Handwerk den ästhetischen Aspekt alltäglicher Dinge im Industrialisierungsprozess nicht aus den Augen. Für viele Skandinavier ist eine umsichtige Gestaltung ein fundamentaler Aspekt des täglichen Lebens, weder eine Ressource zu verschwenden, noch Müll zu produzieren.

Ende der 1920er Jahren wird Skandinavisches Design berühmt: Poul Henningsen entwirft 1927 den »PH« Lampenschirm für Louis Poulsen, eine pure, objektive Form einer Pendelleuchte. Der Finne Alvar Aalto experimentiert mit dampfgebogenen Birkenschichtholz und schafft geradlinige Designermöbel. Aber vor allem die günstige Einfuhr von Unmengen an Teakholz aus den Philippinen in den späten 1940er Jahren, lassen die skandinavische Möbel-Industrie wachsen. Und die Verarbeitung des rötlich schimmernden Hartholzes zu geradlinigen, aber abgerundeten Designermöbel-Stücken prägt den Inbegriff »Skandinavisches Design«.

Ob das »Baker« Sofa von Finn Juhl, der »Series 7« Stuhl von Arne Jacobsen für Fritz Hansen, der Runde Stuhl (»Round Chair«) von Hans Wegner – der Teak-Stil mit seinen weichen Kanten erobert nicht nur alle skandinavischen Designer, sondern die ganze Welt.

Mutige sollten die angesagten Designklassiker des skandinavischen Designs außer Acht lassen und sich gleich auf das Neue in Skandinavien stürzen. Denn die kreativen Nordlichter beherzigen ihre Tradition, zeigen aber ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, um nachhaltiges Design für Generationen zu schaffen. Dass dies weder witzig noch ausgefallen, sondern eher minimalistisch daherkommt, spricht für sich selbst: Keiner will sich an einer Einrichtung satt sehen.