Retrodesign

Retrodesign ist in wie noch nie, denn die Designklassiker des 20. Jahrhunderts sind noch immer bestechend in ihrem Design:

Es gibt in der Geschichte immer wieder die Rückbesinnung auf das »gute Alte«: Kopieren die Baumeister in der Renaissance und Klassizismus die klassische Antike der Griechen und Römer, zitiert die Architektur und das Möbel-Design im sogenannten Historismus des 19. Jahrhunderts ältere Stilrichtungen im scheinbar heillosen Durcheinander. Und es gibt immer wieder innovatives Neues – ob dem überschäumenden Barock, den floralen Jugendstil oder die Neue Sachlichkeit propagiert durch das Bauhaus, die alle zum Retrodesign einladen.

Wenden wir uns dem Möbel-Design zu, ist grob gesagt die Zeit zwischen 1950 und 1970 die Zeit des Aufbruchs und der Neuerungen – abgesehen von dem gewagten und durchschlagend erfolgreichen Design-Entwurf der Stahlmöbel sowohl durch die bekannten, streitenden Bauhaus-Herren Mart Stam, Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe als auch den kongenialen Le Corbusier in Zusammenarbeit mit Charlotte Perriand. Im sogenannten »Mid-Century« Design der 1950er und 1960er Jahre entstehen zahlreiche neue Designermöbel – ob bimorphe Tisch & Stuhl Kombinationen oder verspielte Garderobe-Lösungen. Mit ihrer »Plywood« Möbel-Serie verfeinert das amerikanische Ehepaar Ray und Charles Eames ebenso wie der deutsche Architekt Egon Eiermann und der finnische Designer Alvar Aalto die Dampf-Biegekunst des Holzes. Besonders beobachtet wird die spannende Entwicklung des neuen Möbel-Materials, dem Kunststoff. Die amerikanischen Designer Eero Saarinen, Ray und Charles Eames setzen wie der dänische Designer Verner Panton Maßstäbe in der Entwicklung der Kunststoffstühle. Die neue Spielwiese für Kunststoff wird nach anfänglichem deutschen Forschungserfolgen jedoch in den folgenden Jahren Italien.

Und nun wird der »Mid-Century« Stil im Retrodesign frech abgekupfert: Beistelltische in der organischen Form eines Nierentisches, geschwungende Cocktailsessel á la dem berühmten »Swan« oder »Egg Chair« eines Arne Jacobsen. Das schwungvolle Retrodesign zeichnet sich durch innovative Materialien und Farben, weniger durch neue Formen aus. Grafische Muster in elegantem, dezentem Dessin eines Alexander Girard oder großformatige Blumenmuster eines Josef Frank setzen ein Ende dem vorher propagierten einförmigen Uni der Möbel. Das Retrodesign liebt Farbe und Muster.

Im Zuge der Retrodesign-Wiederbelebung legen viele namhafte Hersteller ihre Designklassiker als Re-Editionen neu auf. Die meisten Designermöbel erfahren im Retrodesign ein zeitgenössisches »Face-Lift«: Nicht nur Farbe und Stoffe der Möbel werden dem heutigen Geschmack angepasst, auch der Umweltschutz in Form der Schlagwörter Recycling und Nachhaltigkeit spielt eine entschiedene Rolle. Zum Beispiel lässt sich Glasfaser bzw. Fiberglass heutzutage umweltfreundlich und ohne gesundheitliche Bedenken verarbeiten und produzieren. Anstatt sich mit abgenutzten Originalmöbeln oder billigen Nachbauten und dem komplizierten Polstern und Restaurieren auseinandersetzen, bietet das Retrodesign das einfache und pflegeleichte Wohnen in neuen Designklassikern und wiederbelebten Gestaltungsansätzen des Mid-Century Design-Stils an.