Recamiere

Überspitzt formuliert ist ein Recamiere ein Liegesofa mit irgendwie angeordneten Armlehnen und Rückenlehnen, bei dem man zwar seine Füße hochlegen darf, aber sich nicht wie auf einem Tagesbett, neudeutsch »Daybed«, vollständig ausstrecken kann. Im Rokoko / Neoklassizismus tritt das Liegesofa mit zwei hochgeschwungenen Armlehnen aber ohne Rückenlehne an, meist auch noch hart gepolstert, sodass die Frage berechtigt ist, ob man auf diesem Design Sofa noch gemütlich seine Beine platzieren darf. Wohl war die Form des seitlich verlängerten Sitzes nicht der Gemütlichkeit, sondern eher den allzu bauschigen Röcken der Damen geschuldet. Im Übrigen erhielt dieses Liegesofa seinen bezaubernden Namen durch ein Porträt der französischen Schriftstellerin Julie Récamière (1777-1849) von Jaques-Luis David (1748-1825). Seit Biedermeier-Zeiten bleibt an diesem grazilen Sofa als Recamiere die einseitige Armlehne bestehen und wird mit einer nicht über die gesamte Länge verlaufenden Rückenlehne gerne kombiniert. Dieses gängige Design der Polstermöbel – vor allem in Sofalandschaften – wird auch als »Chaiselongue« bzw. »Longchair« betitelt.

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