Minimalismus / Minimal Design

Minimalismus ist mehr ein Prinzip als ein visueller Stil, der sich nicht nur im Design sondern auch in der Architektur und Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchsetzt:
»Less is more« ist der Tenor des Minimalismus, den der deutsche Architekt Ludwig Mies van der Rohe als Grundsatz der modernen Architektur in den 1920er Jahren ausgab. Als Mitstreiter im Bauhaus und der propagierten »Neuen Sachlichkeit« setzt Ludwig Mies van der Rohe wie auch sein französischer Kollege Le Corbusier auf einfache Formensprache und verzichtet auf unnötige Dekorationselemente, die gerade im vorangegangen Historismus der Jahrhundertwende zelebriert wurden. Die Nutzung neuer Baumaterialien wie Stahl, Beton und großer Fensterscheiben in einer simplifizierten Baukonstruktion führt zu einer neuen klaren und offenen Raumnutzung im Minimalismus.

Zwei Strömungen helfen dem Minimalismus auf die Sprünge: die Entdeckung japanischer Simplizität in Kunst und Architektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die konsequente »De Stijl« Kunstbewegung der 1920er Jahre. Nur das Notwendige zu verwenden und das Unnötige wegzulassen, ist tief im japanischen Kunsthandwerk und Design verwurzelt. Zudem wird Dekor nur sehr sparsam eingesetzt, um die ästhetischen und haptischen Eigenschaften des verwendeten Materials nicht zu übertünchen. Man denke nur an die berühmten »Akari« Leuchten des japanisch-amerikanischen Bildhauers Isamu Noguchi.

Die niederländische »De Stijl« Design- und Kunstbewegung erobert in den 1920er Jahren die Welt mit konsequenter Abstraktion: Typisch ist das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Grundstrukturen: Kreis und Kugel, Quadrat und Kubus, Rechteck und Quader, Dreieck und Pyramide. Zur minimalistischen Form gesellt sich eine strikte Farbverwendung: Neben den sogenannten Nichtfarben – Schwarz, Weiß und Mischfarbe Grau – setzt der »De Stijl« auf intensive Grundfarben – Blau, Rot und Gelb.

Als der Minimalismus sich in den 1960er Jahren in Kunst, Architektur und Design durchsetzt, steht die konsequente ästhetische Reduktion der gestalterischen Mittel an vorderster Stelle, um die überladenen Stilvorgaben vergangener Jahrzehnte abzulegen. Während diese Formreduzierung im minimalistischen Design bis heute erhalten bleibt, verschwindet das strikte Farbdiktat der Anfangszeit und wird ersetzt durch ein dezentes Farbschemas in sanft abgetönten Grau- und Brauntönen. Heutzutage steht eine minimal ausgeprägte oder minimalistische Einrichtung für einen überaus aufgeräumten, meist luftig möblierten Raum in dezenten Farbtönen oder purem Weiß, in dem kaum etwas Unnützes das Auge ästhetisch stört.