Eames House

Das Eames House ist ursprünglich als »Case Study House Nr. 8« im gleichnamigen Wohn- und Haus-Programm des in Los Angeles beheimateten »Arts and Architecture« Magazin konzipiert worden. Ziel dieser Ausschreibung war es, die während des Zweiten Weltkrieges entwickelten neuen Materialien und Technologien einzusetzen. Ray und Charles Eames setzen sich in ihrem 1945 begonnen Hausbau eine weitere Beschränkung: Alle Materialien sollen vorgefertigte Standardbauelemente aus dem üblichen Sortiment eines Metall- und Bauwaren-Händlers sein. Gemeinsam mit Eerio Saarinen entwerfen sie eine einheitliche Stahlkonstruktion, angelehnt an die fortschrittliche Bauweise europäischer Architekten wie Le Corbusier oder dem zeitweiligen Bauhaus-Leiter Ludwig Mies van der Rohe. Die offene Stahlkonstruktion ermöglicht die freie Raum- und Fassadeneinteilung: Einheitlich große, stets knapp einen Meter breite Fensterflächen werden zu Kolumnen in der schwarz lackierten Stahlkonstruktion angeordnet und wechseln mit farbig gestalteten Verfachungen ab, sodass ein räumliches Gemälde in De Stijl Art á la Piet Mondrian entsteht. Über drei Jahre dauert dieser an sich simple Hausbau, da die Rohstoffe und Materialien nach Kriegsende nicht in den erforderlichen Mengen lieferbar sind. 1949 ziehen Ray und Charles Eames in den einen lichtdurchfluteten »Wohnkubus« ein, während das zweite auf gleicher Höhe befindliche Haus für die Werkstatt, die sogenannte »Eames Office«, bestimmt war.

Innen ausgestattet in warmen Holztönen werden die Privaträume im Laufe der Zeit vorwiegend mit den eigenen Entwürfen gefüllt – ob der »Eames Lounge Chair « im hohen Wohnraum oder die bekannten Kunststoffstühle im Esszimmer. Wer heute das als Museum zu besuchende Eames House betritt, ist jedoch entsetzt, wenn er eine puristisch geradlinige Gestaltung mit einem Designklassiker hier, die berühmten Stühle dort erwartet. Selbstverständlich befindet sich in jedem Zimmer – von der Garderobe bis zum Wohnraum – die beliebten Designklassiker, die Vitra heute noch in altbewährter Qualität herstellt. Auffallender ist jedoch die Sammelleidenschaft des Ehepaars: handwerklich ausgereifte Volkskunst. Gemusterte Teppiche und Kissen, Tier-Skulpturen und Gemälde setzen das lichtdurchflutete Haus in einen spannenden Kontrast zu den Designermöbeln. Und einer kommt groß heraus: Auf fast allen Werbe-Fotos setzt das Ehepaar eine schwarze Rabenkrähe aus Erlenholz ein, sodass die heute als »Eames House Bird « bekannte Vogelfigur auch von Vitra vertrieben wird, obwohl es kein eigenes Design des Ehepaares ist.